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Arbeitsmarkt und Sozialsystem schwächeln weiter
Bis 2030 keine Besserung in Sicht


Basel. Die deutsche Wirtschaft wird in den nächsten zweieinhalb Jahrzehnten keine Vollbeschäftigung erreichen – das prognostiziert das Schweizer Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos in einer umfangreichen Studie über die langfristige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Vor allem die Arbeitsmarktchancen für gering Qualifizierte werden sich durch Rationalisierung, Strukturwandel und Globalisierung demnach in Zukunft weiter deutlich verschlechtern und zwingen die Politik gegenzusteuern, heißt es in der 700 Seiten umfassenden Untersuchung mit dem Titel „Prognos Deutschland Report 2030“. Das Handelsblatt stellt in seiner Montagausgabe die Kernergebnisse der Studie exklusiv vor.
 
„Langfristig wird die Arbeitslosigkeit dennoch deutlich sinken“, so Prognos Geschäftsführer Christian Böllhoff. Für 2030 rechnet Prognos noch mit rund 2,3 Millionen Arbeitslosen – gegenüber 2005 hätte sich die Zahl der Menschen ohne Job damit mehr als halbiert. Die Arbeitslosenquote dürfte dann bei 5,9 Prozent liegen. „Diese Prognose fußt allerdings auf der Annahme, dass die Politik ab 2010 einen funktionierenden Niedriglohnsektor schafft“, betont Michael Schlesinger, Chefökonom der Prognos AG. Anderenfalls gehen die Wirtschaftsforscher davon aus, dass sich die Arbeitslosenquote noch im Jahr 2015 auf dem heutigen Niveau bewegt und erst danach rein demografisch bedingt zurückgeht. Durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft sinke die Zahl der Erwerbspersonen.
 
Die Wachstumsschwäche wird Deutschland laut Prognos bis 2030 nicht nachhaltig überwinden: Mehr als ein Wachstum von 1,4% pro Jahr sei langfristig nicht drin. „Wachstumsraten wie in den siebziger Jahren wird Deutschland auch in fernerer Zukunft nicht mehr erreichen“, heißt es in der Studie. Das reale Pro-Kopf-Einkommen werde aber dennoch bis 2030 um mehr als 40 Prozent steigen.
 
Die Beitragssätze zur Renten-, Kranken-, und Pflegeversicherung werden laut Prognos zum Teil dramatisch ansteigen, mit entsprechenden Folgen für die Arbeitskosten. Der Rentenbeitragssatz wird 2030 voraussichtlich bei über 25 Prozent liegen, bei der Pflegeversicherung sind es mehr als 3 Prozent. Die Verschuldung des Staates steigt weiter an, auch langfristig bleibt sie in Relation zum BIP bei fast 70% und verletzt damit ein Maastricht-Kriterium. Die Globalisierung gewinnt für die Wirtschaftsstruktur weiter an Bedeutung. Vor allem die Dienstleistungen werden vom Strukturwandel profitieren. Beschäftigungswachstum ist nur in wenigen Branchen zu erwarten. Die neuen Bundesländer bleiben auf Dauer hinter der gesamtdeutschen Entwicklung zurück.

Quelle: Prognos AG, 02.04.2006

 
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