| Rechtsanspruch
Jeder Arbeitnehmer hat ein Anspruch auf ein Zeugnis,
der nach § 195 BGB 30 Jahre währt. Der Arbeitnehmer
kann aus triftigem Grund ein Zwischenzeugnis verlangen.
Wahrheit vor Wohlwollen
Das Zeugnis muss zunächst wahr sein, erst dann
wohlwollend. Hieraus hat sich die Praxis der Zeugnissprache
entwickelt. Ist ein Zeugnis unwahr, kann der neue Arbeitgeber
ggf. Schadensersatz verlangen.
Zeugnissprache
Das Zeugnis muss eigentlich auch für den Beurteilten
lesbar sein. Wird es bei der Codierung übertrieben, liegt
ein Verstoß gegen das Geheim-Merkmal-Verbot des §
113 Abs. 3 GeWO vor. Kern der Zeugnissprache ist es deshalb,
durch Abweichungen vom Üblichem, was meist nur der qualifizierte
Leser weiß, auf Schwächen des Bewerbers und Gründe
für sein Ausscheiden, etc, hinzuweisen.
Reihenfolge
Unwichtiges wird vor Wichtigem genannt, etwa bei
Auflistung der Aufgaben oder im Sozialteil (Kollegen werden
vor dem Vorgesetzten genannt).
Ausweichen
Es werden Nebensächlichkeiten statt Wichtigkeiten
genannt, etwa bei einem Außendienstler sein Erscheinungsbild,
nicht aber sein Umsatz
Einschränkungen
Einschränkung der eigentlichen Formulierung,
z. B.: "Während des dreimonatigen Arbeitsverhältnisses
hat er stets zu unserer vollen Zufriedenheit gearbeitet".
Andeutungen
Subtile Andeutungen: "Er hat sich im Rahmen
seiner Fähigkeiten eingesetzt" (wenig Fähigkeit)
"Er erledigte seine Aufgaben immer ordnungsgemäß"
(Bürokrat).
Doppelte Verneinung
"...ohne Beanstandung .."
".. nicht unbedeutender Umsatz ..."
Knappheit
Zu wenig umfangreiche Aussagen
Widersprüche
"Er arbeitete nach Vorgaben selbständig",
"Er kam insgesamt gut mit Kunden klar (also schlecht),
so dass wir sehr mit ihm zufrieden waren" (sehr gut,
insgesamt: Widerspruch).
Leistungsbeurteilung
Note 1 - "Wir waren mit seiner Leistung stets
außerordentlich zufrieden."
Note 1 - "Sie hat Ihre Aufgaben
stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt."
Note 2 - "Er hat seine Aufgaben
stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt."
Note 3 - "Er hat seine Aufgaben
zu unserer Zufriedenheit erledigt"
Note 4 - "Er hat seine Aufgaben
zu unserer Zufriedenheit erledigt"
Note 5 - "Er hat seine Aufgaben
im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt"
Verhalten nach innen und
außen
"Sein Verhalten zu Kunden, Vorgesetzten und
Mitarbeiter war jederzeit einwandfrei."
Reihenfolge verdreht? Zum Teil ist
es üblich und korrekt, Kunden als Zweites zu nennen,
jedoch müssen die Vorgesetzten immer vor den Kollegen
genannt sein. Hinweis auf Umgang mit Mitarbeitern darf bei
Vorgesetzten nicht fehlen, Hinweis auf Kunden darf bei Vertrieblern
nicht fehlen.
Beendigungsformel
Grund für das Zeugnis oder Kündigungsinitiative:
Nicht vorgeschrieben, kann der Arbeitnehmer aber verlangen.
Beispiele: "in beiderseitigem Einvernehmen" (etwa
nach Prozess), "aus betrieblichem Grund" (nicht
erwähnt, eher wohl im Streit) "verlässt uns
auf eigenen Wunsch" (kann gemogelt sein).
Dank + Bedauern: Nur in 50 % der
Zeugnisse vorhanden. Ansonsten: Falls fehlend also nicht gegeben.
"Wir bedauern sein Ausscheiden und danken ihm für
die überaus wertvolle Mitarbeit.
Wünsche: (85 % der Zeugnisse):
"Für seinen weiteren Berufs- und Lebensweg wünschen
wir Herrn X alles Gute".
Gesamteindruck
Bei kleineren Unternehmen ohne Personalabteilung
fallen Zeugnisse atypisch aus, was nicht am Kandidaten liegen
muss.
Oftmals werden auch einfach Formulierungen
aus vorherigen Zeugnissen übernommen, ohne, dass sie
verstanden wurden.
Lange Arien über die Tätigkeiten,
stark abweichend von der Terminologie sowie atypische übermäßig
gute Formulierungen weisen darauf hin, dass der Kandidat das
Zeugnis (ggf. teilweise) selbst geschrieben hat (warum?).
Es ist sinnvoll, die Reihe der Zeugnisse
zu beachten: Wie hat er sich bei Schulde, Studium, Beruf entwickelt?
Ist er eher ein Theoretiker (gut in der Ausbildung, schlecht
im Beruf) oder ein Praktiker (schlecht in der Schule, gut
im Beruf) oder wie sonst korrelieren sich die Schwankungen
(Scheidung, Krankheit, Unfall)?
Der Eindruck der Zeugnisse muss zu
dem Anschreiben und der persönlichen Präsentation
passen. Es entsteht ein Gesamteindruck. Widersprüche
haben Ursachen, die ermittelt werden können.
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Sie verständliche Aussage
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